Fraunhofer-Standort Kassel: Planungen zum Neubau

Mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Euro soll in Kassel in den nächsten Jahren ein Neubau für rund 550 Arbeitsplätze entstehen, 500 für das Fraunhofer IWES und 50 für den Kasseler Standort des Fraunhofer IBP. Zunächst wird ein erster Bauabschnitt für 60 Mio. Euro umgesetzt.

Für die angewandte Forschung zur Entwicklung nachhaltiger Energiesysteme arbeiten schon heute rund 320 Personen im Kasseler Fraunhofer IWES (rund 20 Mio. Euro Etatvolumen) und rund 25 Personen im Kasseler Standort des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP (rund 1,5 Mio. Euro Etatvolumen). Gemeinsam bieten die beiden Fraunhofer-Einheiten effiziente und intelligente Lösungen für die Energiewende in Stadt und Land an. Wegen der inhaltlichen Nähe wollen sie mittelfristig (2. Baustufe) auch räumlich näher zusammen arbeiten und in einen 100 Mio. Euro Neubau zusammenziehen. Der Neubau ist auf 500 Arbeitsplätze für das IWES und 50 für das IBP ausgelegt.

 

In der ersten Baustufe sollen bis 2019 die Gebäude für rund 320 Arbeitsplätze des Fraunhofer IWES mit einem Investitionsvolumen von 60 Mio. umgesetzt werden. Die Finanzierung von Fraunhofer-Neubauten teilen sich üblicherweise das Sitzland des Fraunhofer-Instituts, in diesem Fall also das HMWK, und das Bundesforschungs­ministerium, das die Grundfinanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft trägt. 

Die Stadt Kassel hat das IWES bei der Findung geeigneter Standorte intensiv unterstützt und entwickelt nun das ehemalige Zollgelände nördlich des Hauptbahnhofs als Baugebiet. Zunächst werden auf dem gesamten Areal die alten Bahngleise und Gebäudereste zurückgebaut, Abwasser und Versorgungsleitungen verlegt und neue Erschließungsstraßen gebaut.

»Das Projekt ist der Auftakt einer städtebaulichen Konversionsmaßnahme, die die ehemaligen Bahnflächen nördlich des Kasseler Hauptbahnhofes zu einem attraktiven, innerstädtischen Gewerbe- und Dienstleistungsstandort entwickeln soll. Für das Projekt ist ein nicht-offener Realisierungswettbewerb nach RPW 2013 im Rahmen eines VOF-Verfahrens (1. Bauabschnitt / 2. Bauabschnitt lediglich als Systementwurf) mit vorangestelltem Teilnahmewettbewerb vorgesehen. Derzeit befinden sich die Entwürfe der zwanzig zugelassenen Architekturbüros in der Vorprüfung. Anfang Juli tagt dann das Preisgericht in Kassel und wird abschließend die Sieger ermitteln.«, erläutert Barbara Ettinger-Brinckmann, die mit ihrer ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH in Kassel für das Wettbewerbsmanagement zuständig ist.

»Das neue Institutsgebäude wird eines der führenden deutschen Institute für Energiesystemtechnik, das die deutsche Energiewende mitgestaltet, beherbergen. Die derzeit noch kritischen technischen und energiewirtschaftlichen Problemstellungen des Energiewende-Geschehens haben intensive Bezüge zum Thema Bauen, d. h. zur Gestaltung eines zukünftigen Arbeits- und Lebensortes. Es soll deshalb die Chance genutzt werden, die gegenwärtigen Erkenntnisgegenstände aus der Arbeit unseres Institutes in dem großen Vorhaben »Instituts-Neubau« in einer Zusammenarbeit zwischen Architektur und Energiesystemtechnik exemplarisch umzusetzen.«, fasst Prof. Dr. Clemens Hoffmann, Leiter des Fraunhofer IWES, seine Erwartungshaltung zusammen.

Daher sind für die Leiterin der Bauabteilung der Fraunhofer-Gesellschaft, Maria Müller, für ein zukünftiges Zentrum für Energiesystemtechnik »neben den architektonischen selbstverständlich auch höchste Ansprüche an ein innovatives und nachhaltiges Energiekonzept von Bedeutung.« Sie freut sich auf kreative Entwürfe, die sich auch wirtschaftlich umsetzen lassen.

Darüber hinaus engagieren sich die Stadt Kassel und das Fraunhofer IWES dafür, neben dem Fraunhofer-Neubau Forschungs- und Entwicklungspartner anzusiedeln und hierfür eine gemeinsame Labor- und Testumgebung aufzubauen.

 

Hintergrund:

Das Kasseler IWES ist seit 2009 ein Fraunhofer-Institut und hat seitdem seine Mitarbeiterzahl von 180 auf 310 gesteigert. Das Institut wird seit 2012 von Prof. Dr. Clemens Hoffmann geleitet, der Prof. Dr. Jürgen Schmid (1998 - 2012) folgte. Es ist 1988 auf Initiative von Prof. Dr. Werner Kleinkauf aus der Universität Kassel vom Land Hessen gegründeten Institut für Solare Energieversorgungstechnik ISET e.V. hervorgegangen. Das Institut gilt als Pionier einer modernen Energiesystemtechnik auf der Basis erneuerbarer Energien und eine der europaweit führenden Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet. Aktuell steht die Energiewende im Zentrum der Institutsarbeit.

Über die Hälfte der Fläche hat die Fraunhofer-Gesellschaft erworben. Die Bauarbeiten für den Institutsneubau sollen 2016 beginnen. Die Bauzeit ist mit drei Jahren veranschlagt.

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