Fraunhofer-Standort Kassel: Planungen zum Neubau

© Foto Fraunhofer IWES | Harry Soremski

Spatenstich Fraunhofer-Institut, (v.l.n.r.) Prof. Dr. Clemens Hoffmann (Institutsleiter Fraunhofer IWES), Prof. Dr. Reimund Neugebauer (Fraunhofer-Präsident), Volker Bouffier (Hessischer Ministerpräsident), Christian Geselle (Oberbürgermeister)

Spatenstich für neuen Fraunhofer-Institutsbau in Kassel

Mit dem Spatenstich am 20. September 2017 haben Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Fraunhofer-Präsident Prof. Dr. Reimund Neugebauer und Institutsleiter Prof. Dr. Clemens Hoffmann den Baubeginn für den Neubau des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES gestartet. Bis 2020 wird in Kassel eine Forschungs- und Entwicklungsumgebung für etwa 320 Mitarbeitende entstehen. Das Investitionsvolumen von rund 60 Mio. Euro trägt je zur Hälfte das Bundesforschungsministerium und das Land Hessen.

 

Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik – in diesen Geschäftsbereichen forscht der Kasseler Institutsteil des Fraunhofer IWES. An den vier Standorten im Stadtgebiet sind inzwischen 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig, 2008 waren es 180. Die Erträge stiegen im gleichen Zeitraum von 10 Mio. Euro auf 21,3 Mio. Euro. Dieser erfolgreichen Entwicklung wird mit dem neuen Institutsgebäude nördlich des Kulturbahnhofs Rechnung getragen.

Um Fraunhofer genügend Platz auch für die weitere Entwicklung zu ermöglichen, hat die Stadt Kassel das ehemalige Zollgelände nördlich des Hauptbahnhofs als Baugebiet entwickelt. »Die Entwicklung des Areals am ehemaligen Güterbahnhof ist eines der großen Konversionsprojekte der vergangenen Jahre im Kasseler Stadtgebiet«, erklärte Oberbürgermeister Christian Geselle. »Ich bin davon überzeugt, dass die Entscheidung der Fraunhofer-Gesellschaft – auf dem Areal die derzeit noch im Stadtgebiet verteilten Einrichtungen in einem zukunftsorientierten Institut zusammenzuführen – der gesamten Kasseler Stadtentwicklung nachhaltig zu Gute kommt.«

Durch den gestalterisch, bauphysikalisch und energetisch zukunftsorientierten Neubau nach einem Entwurf des Architekten Günter Schleiff vom Büro HHS Planer und Architekten soll eine direktere Kommunikation und Abstimmung die Effizienz in der Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördern. In dem 4-geschossigen Baukörper mit einer Nutzfläche von 7.600 Quadratmeter entstehen neben Büros und Seminarräumen ein großes Technikum, mehrere Labors sowie eine »Leitwarte der Energiewende«. Für die nationale Energiewende und die Begleitung und Vernetzung internationaler Energiesystemtransformationen werden in dem multifunktionalen Raum Datenströme der sektorübergreifenden Energiesysteme Strom, Wärme und Verkehr zusammengeführt, analysiert sowie Systemoptionen entwickelt und erforscht.

Mit einer Wärmepumpe mit 220 kW als Wärmeerzeuger und einem 600 m³ Eisspeicher wird in dem Institutsneubau ein nachhaltiges Energiekonzept verfolgt. Als Spitzenlastkessel und als Redundanzsystem dient eine gasbefeuerte 600 kW Kaskade mit Brennwertthermen. Die Kühlung im Sommer erfolgt über eine zentral geregelte Betonkerntemperierung mit Speisung aus dem Eisspeicher. Dezentrale Lüftungsgeräte führen Frischluft zu. »Wir entwickeln Lösungen für die Herausforderungen bei der Transformation der Energiesysteme und setzen diese konsequenterweise auch im neuen Forschungsgebäude um«, betont Institutsleiter Prof. Dr. Clemens Hoffmann.

Neue Kompetenzfelder etablieren

Die Systemkopplung von Strom, Wärme, Gas und Verkehr ermöglicht die notwendige Flexibilisierung von Erzeugung und Bedarf in einem System mit starken volatilen Komponenten. Daher wurde in den vergangenen beiden Jahren das neue Kompetenzfeld Energieverfahrenstechnik im Institut etabliert. Als zweite bedeutende Erweiterung gilt es nun, das Kompetenzfeld Gebäude, Quartiere, Wärme und Kälte auszubauen. »Mit Unterstützung des Landes Hessen wollen wir im nächsten Schritt den neuen Kompetenzschwerpunkt ›Energiesystem Stadt‹ etablieren, das die kommunale Energieversorgung auf allen Ebenen vom Gebäude bis hin zur Region abbildet«, so Institutsleiter Hoffmann.

»Das Forschungsmodell ›Energiesystem Stadt‹ hat eine besondere Bedeutung für viele Industriezweige in Hessen. Wir profitieren von den außerordentlichen Kompetenzen des Fraunhofer IWES in der nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung und werden den Kasseler Institutsteil auch in den kommenden Jahren bei der Umsetzung innovativer Lösungen für die erneuerbare Energieversorgung, für mehr Energieeffizienz und intelligente Stromnetze unterstützen«, bekräftigt Ministerpräsident Volker Bouffier.

»Die Kasseler Fraunhofer-Forscher haben sich als zentrale Spieler der Energieforschung in Deutschland und in der Fraunhofer-Gesellschaft etabliert«, sagt Fraunhofer-Präsident Prof. Dr. Reimund Neugebauer. Das Fraunhofer IWES besteht derzeit aus zwei Institutsteilen, dem IWES Nordwest mit Sitz in Bremerhaven und dem IWES Kassel. Die inhaltlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen des IWES Nordwest mit seinen Standorten in Bremerhaven, Hannover, Bremen, Oldenburg einerseits und des IWES Kassel mit seinen Standorten in Kassel und Bad Hersfeld andererseits legen eine unabhängige Entwicklung als eigenständige Institute nahe. »Der Institutsteil Kassel mit seinen Forschungsschwerpunkten auf Energiewirtschaft und Energiesystem­technik hat sich auch durch die wohlwollende Unterstützung des Landes Hessen und die guten Standortbedingungen in der Energieforschung in Deutschland zu einem etablierten und wichtigen Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt«, betont Neugebauer. Der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft hat daher beschlossen, dem Senat der Fraunhofer-Gesellschaft vorzuschlagen, die Institutsteile ab dem 1.1.2018 als eigenständige Institute fortzuführen. Dadurch wird in Kassel das neue Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE entstehen. Das IWES Nordwest wird weiterhin mit dem Kürzel IWES und der Institutsbezeichnung Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme firmieren.